SPUR Ultraspeed Vario - Arbeitsweise und Ergebnisse

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    • SPUR Ultraspeed Vario - Arbeitsweise und Ergebnisse

      Liebe Fotografen,

      die Fa. SPUR frug mich unlängst, ob ich ihren neuen Ultraspeed-Vario-Entwickler einmal ausprobieren wolle. Ich wollte freilich.

      Dieser Entwickler ist ein Zweibad-System, womit man den Gesamtkontrast (das ‚N‘) relativ unabhängig von der wirklich benutzten Empfindlichkeit steuern können soll. Für Normalempfindlichkeit oder Unterbelichtung hat mich das nicht weiter interessiert, da ich dies auch mit konventionellen Entwicklern vernünftig in den Griff bekomme. Was mich auszuprobieren reizte, waren die Möglichkeiten der Empfindlichkeitssteigerung. Ich hatte vor einigen Jahren schon einmal einen SPUR-Entwickler erprobt, an realen Bildern und leider nicht mit Messkurven (die aussagekräftiger sind). Dieser Entwickler (PXD) eignete sich nur für einen Film. Durch das Zweibad-Rezept stehen jetzt genügend Modifikationsmöglichkeiten zur Verfügung, um das für eine ganze Reihe von Filme, also zumindest für alles außer Spezialemulsionen, tauglich zu machen.

      Zunächst zwei Vorbemerkungen:

      1) Empfindlichkeit und Pushen
      Öfter liest man, dass eine bestimmte Film/Entwickler- Kombination eine bestimmte, meist ungewöhnliche höhe Empfindlichkeit ergäbe oder habe. Das ist bei genauem Hinschauen nicht richtig. Die Empfindlichkeit bemisst sich in ihrer Definition nach der Schattenzeichnung (0,1 über Schleier). Man kann auf die Schatten verzichten und den Film länger entwickeln. Dann bekommt man die Mittentöne dorthin, wo sie ungefähr hingehören. Leider verliert man auch die Lichter, da sie in unkopierbar hohe Dichten wandern.
      Es gibt keine Wunderentwickler, die einfach das Doppelte oder Vierfache an realer Empfindlichkeit „rausholen“. Wer das will, kann sich an sog. Hypersensibilisierung versuchen, ein aufwendiges Verfahren. Was man aber zumindest theoretisch hinbekommen kann, ist es, die Lichter zu retten oder wenigstens ein wenig zu schonen. Hier liegt das verdienst on SPUR, dass schon mit dem PXD gelang. Das chemische Mittel dazu heißt Inhibition, was Konsequenzen auf den Umgang mit dem Entwickler hat: Meine zweite Vorbemerkung

      2) Lichter retten bei extrem langer Entwicklungsdauer – wie geht das?
      Das Silber wächst in der Emulsion in sog. Fäden, die sich zu Knäueln zusammenschließen. Diese Knäuel (bzw. die Lücken dazwischen) bilden das sichtbare Korn. Ein solcher Faden hat eine oder mehrere Wachstumsstellen. Dies sind „offene“ Stellen im Kristallgitter, wo sich weitere Atome leicht anlagern können. Das Wachstum findet hauptsächlich dort statt.
      Wenn man die Dichte der lichter begrenzen will, dann kann man dafür sorgen, dass diese Wachstumsstellen ausgeschaltet werden. Das erreicht man dadurch, dass man sie mit einer anderen Chemikalie belegt, im Fachchargon „blockiert“. Für Silber eignen sich besonders gut Schwefel-Verbindungen. Nun kann man derart wirkende Verbindungen nicht einfach in den Entwickler kippen, denn damit würde man ja alle Wachstumsstellen blockieren, auch die in den Schatten (die man eigentlich braucht). Man kann es aber so machen Die Schwefelverbindung wird chemisch an eine Entwicklersubstanz so gebunden, dass dieser abgeänderte Entwickler nicht blockierend auf die Wachstumsstellen wirkt. Wenn der Entwickler durch die Silberreduktion zersetzt wird, muss aber die Schwefelverbindung frei werden und kann Wachstumsstellen blockieren. Da in den Lichtern besonders viel Entwickler benötigt wird, entsteht dort auch besonders viel Blockademittel und der Lichteranstieg wird stark begrenzt. Um neues Silber abzuscheiden, müssen neue Wachstumsstellen geschaffen werden, ein energieaufwendiger Prozess, der mit einer viel geringeren Rate abläuft. Das langsame Wachstum verhindert auch die Kornzusammenballung, die Bildgüte wird also auch noch geschont.
      Warum ich das alles erzähle? Weil es einen Einfluss auf die Agitation hat. Man kann nämlich nicht mehr – wie bei einem konventionellen Entwickler – mehr Agitation gegen eine geringere Entwicklungszeit „tauschen“ und umgekehrt. Wenn man stark bewegt, z.B. Rotationsentwicklung, dann würden die Blockierungsstoffe von der Schichtoberfläche weggespült und würden viel schwächer wirken. Es ist eine der Herausforderungen zur Entwicklung eines solchen Entwicklers, die Agitation in den Griff zu bekommen. Ich habe mich deshalb penibel an die Anweisungen von SPUR gehalten, was auch funktioniert hat.

      Erster Versuch und Resultat
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      Ich habe die empfindlichkeitssteigernde Wirkung an einem ganz konventionellen Film erprobt, Kentmere 400. Dieser Film hat laut Packungsaufdruck 400 ASA, erreicht aber selbst in Phenidon-Entwicklern nur 280 ASA. SPUR gibt eine erreichbare Empfindlichkeit von 1250 ASA an (spur-photo.com/wp-content/uplo…aspeed-Vario-10.05.14.pdf ) . Ich wollte nicht ganz so aggressiv rangehen und habe erst einmal 800 ASA eingestellt, ein (gedachter) Push von 1,5 Blenden. Dafür muss ein ziemlich konzentrierter Entwickler, mit höherer Temperatur benutzt werden, und eine lange Entwicklungszeit eingehalten. Im gegensatz zum gewöhnlichen Push werden hier alle drei Variablen zum Pushen benutzt, das war schon beim PXD so: Es ist eine Folge des dann stark wirkenden Inhibitorsystems.

      Ergebnis (in Klammern die theoretischen Dichten)
      Stufe Dichte
      2 0 (0,24)
      3 0,12 (0,38)
      4 0,39 (0,54)
      5 0,60 (0,72)
      6 0,84 (0,90)
      7 1,14 (1,10)
      8 1,41 (1,29)
      9 1,68 (1,48)
      10 1,80 (1,67)
      Eine Grafik dazu:


      Aus dieser Tabelle und aus der Grafik kann man zweierlei entnehmen:
      1) Auch SPUR kann die Naturgesetze nicht überwinden. Die reale Empfindlichkeit bestimmte ich zu 250 ASA, das ist im Rahmen der Messgenauigkeit das, was man von diesem Film erwarten kann
      2) Die Lichter werden tatsächlich geschont, und zwar erheblich. Außerdem geht die Kennlinie steil los, ohne ausgeprägten Kurvenfuß.

      Wenn man den Film mit 800 ASA benutzt (was wirklich funktioniert), dann verliert man – wie mit anderen Kombinationen auch – die Schatten. Man bekommt aber die Mitteltöne in einen angenehm kopierbaren Bereich und hat nur wenige Probleme in den Lichtern. Das Gamm liegt bei 0,8 und ist etwas steiler als das normal anzustrebende 0,65. Das lässt sich entweder im Labor ausgleichen, oder man experimentiert noch ein wenig mit dem Verhältnis zwischen Erst- und Zweitentwicklung.

      Nebenbefunde:
      - Der Schleier war nach dieser „Tortur“ ziemlich hoch, auch dies ein Effekt, den ich schon beim PXD-Entwickler kannte. Diesmal habe ich es gemessen: 0,36 höher als beim selben Film, konventionell entwickelt. 0,36 ist schon ordentlich.
      - Die Maximaldichte liegt bei 2,6 über Schleier. Das schafft nicht jeder Entwickler. Wenn man mehr belichtet, bekommt man auch mehr Dichte. Im Kleinbild kann man das schwer ausnutzen, aber je größer das Format ist, desto mehr kann man mit hohen Dichten etwas anfangen (diese also aufs Papier bringen).
      - Das Korn ist nicht wesentlich erhöht gegenüber einer konventionellen Entwicklung. Auch das kannte ich schon vom PXD.

      Zwei Flaschen Entwickler zu je 500 ml kosten etwas über 30€. Damit kann man zwischen 20 und 40 Filmen entwickeln, eher 40 mit Normalempfindlichkeit und etwa 20 gepusht. Die Entwicklungskosten um einen Euro liegen im Bereich dessen, was man hierfür ausgeben kann, ist m.E. nicht zu teuer. Damit kann man – wenn man öfter pushen muss – diesen Entwickler als Allgemeinentwickler verwenden und hat noch ein paar zusätzliche Möglichkeiten der Kontraststeuerung. PXD war seinerzeit sehr teuer, ich hatte ihn „aufgespart“ und am Ende war er verdorben (weil ich zu selten pushe). Diese Gefahr sehe ich hier nicht.
      Insgesamt eine Bereicherung des Entwicklermarktes. Danke an SPUR.
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    • Re: SPUR Ultraspeed Vario - Arbeitsweise und Ergebnisse

      Hallo Uwe,
      hat dir schonmal einer gesagt, wie affengeil deine Grafiken sind? :mrgreen:

      Also das ist, wie ich sehe, eine N+2 bis+2,5 Entwicklung.
      Hast du da einen Graukeil belichtet? Kannst du sagen, ob die Dichten um und über 1,5 noch auf Papier kopierbar sind?

      Frank
    • Re: SPUR Ultraspeed Vario - Arbeitsweise und Ergebnisse

      > Also das ist, wie ich sehe, eine N+2 bis+2,5 Entwicklung.

      So in etwa. Man kann das nach unten beeinflussen, da bin ich sicher. Dann allerdings landet die Stufe V nicht mehr in der Nähe von 0,72 - ist ja jetzt noch etwas drunter. Das aber ist ja das Ziel des Pushens, dass man das mittlere Grau in den Normalbereich bekommt.
      Gamma 0,8 lässt sich vernünftig abziehen. In der Konzert- und Bühnenfotografie ist's oft deutlich steiler.

      > Hast du da einen Graukeil belichtet?
      Nein, eine Belichtungsreihe auf Film, je Graustufe ein Negativ.

      > Kannst du sagen, ob die Dichten um und über 1,5 noch auf Papier kopierbar sind?
      1,5 ist kein Problem. 1,8 ist schon schwieriger. Selbst wenn dort noch Differenzierungen drin sind, sagen wir zwischen 1,7 und 1,9 ist das vom Kleinbild schwierig abzuziehen, auch mit Nachbelichten. Grund ist das Streulicht der umgebenden Motivbereiche. Beim Großformat im Kontakt freilich keine Sache, die alten Großformatler haben ohnehin viel dichtere negative erzeugt. Die heutige Dichtelage kam erst in Mode, als man auf's Korn achten musste.