Tönen von Cyanotypien - oder wozu Waschsoda und Tee noch so alles gut sind

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    • Tönen von Cyanotypien - oder wozu Waschsoda und Tee noch so alles gut sind

      Zum Tönen von Cyanotypien habe ich im Internet vor einiger Zeit eine interessante Version gefunden, weiß aber nicht mehr wo.

      Heute habe ich es erprobt.

      Tauche die Bilder in eine Waschsodalösung.
      Die blaue Farbe verschwindet sehr schnell. Nicht erschrecken. Das Bild ist jetzt fast weiß.

      Tauche die Bilder für einige Minuten in starken schwarzen Tee.
      Hierbei werden sie getönt.


      PS: Quelle wiedergefunden.
      mpaulphotography.wordpress.com…notype-toning-the-basics/

      Dort wird empfohlen, mindestens einen Tag zu warten, ehe man die Waschsoda verwendet, damit das Bild erst härtet.
      Als erster Schritt wird dann Einweichen in Wasser empfohlen.

      Ich probiere jetzt mal eine alte Cyanotypie.

      Statt Tee kann man auch einen Galläpfelsud verwenden, das dürfte noch besser werden.

      [IMG:https://farm2.staticflickr.com/1576/26093502242_77f9fb7446_c.jpg]Kaktus by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr
      Original

      [IMG:https://farm2.staticflickr.com/1528/26186603255_de2f4cc92c_c.jpg]Kaktus Waschsoda und Tee by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr
      Nach 15 Minuten in schwarzem Tee.
    • In dem Fall ist es Cyanotypiepapier, welches fertig beschichtet ist. (Solar-Paper, Sunprint Kit und verschiedene andere Handelsnahmen)
      Im Gegensatz zu Aquarellpapier ist das recht dünn. Deshalb wellt es sich auch recht stark.
      Beim Kindertag habe ich dieses Papier und Pflanzen verwendet und es von den Kindern unserer Gartensiedlung machen lassen.


      Beim Selberbeschichten von Fotopapier nehme ich eine Art Tauchverfahren.

      Das funktioniert auch bei Pflanzenfarbstoffen gut.

      Ich verteile die Flüssigkeit auf einem Plastebrettchen und lege das Fotopapier darauf. Dann lege ich zwei so beschichtete Seiten aneinander und verschiebe sie gegeneinander, sodass der überflüssige Farbstoff unten heraustropft. Das wiederhole ich zwischen vier und acht mal.

      Auf Aquarellpapier nutze ich dieses Verfahren nicht, sondern nehme einen Pinsel, weil ich es dort ungleichmäßig haben will.
    • Das Tonen im Tee ohne Bleichen dauert bis zu einigen Stunden.
      Wichtig ist die Schichtseite nach unten legen, weil sich bei langer EInwirkung des Tees aufs Papier und durch das Aufschwimmen und Antrocknen oben dunkle Flecken und Ränder bilden können, die sich nicht mehr abwaschen lassen.
      Der Vorteil ist dass man bei direkter Tonung die Farbe besser steuern kann.

      Gruß

      Joachim
    • Danke für den Hinweis, Joachim. Das Bild oben habe ich ca. 2 Stunden mit grünem Tee getönt (Löwenzahn).

      Ein anderes Bild hatte ich mit Schwarzem Tee getönt.
      Einige Wochen später habe ich es gebleicht.

      Interessant war, dass die Reihenfolge fast keinen Einfluss auf das Ergebnis hat.

      Ich will mal probieren, was passiert, wenn man die Lösungen mischt und noch Vitamin C zugibt. (Das ist dann auch der Teanol-Entwickler für SW-Filme.)
    • Bernd_Hutschenreuther schrieb:


      Ein anderes Bild hatte ich mit Schwarzem Tee getönt.
      Einige Wochen später habe ich es gebleicht.


      Verstehe ich nicht ganz. Ein getontes Bild musst Du nicht mehr bleichen. Zumindest wenn Du im Nachhinein keine Überraschungen oder Farbänderungen haben willst.

      Ich benutze das Bleichen nur zum Abschwächen zu dunkler Cyanotypien. Funktioniert natürlich nur bei Originalen ohne Tonen. Denn sobald man eine aufgehellte Cyanotypie tont, wird das ursprüngliche zu dunkle Bild wieder erscheinen. Und das lässt sich dann nicht mehr abschwächen und kann in die Tonne.

      Gruß

      Joachim
    • Ich habe es nur mal probiert.

      Verstehe ich nicht ganz. Ein getontes Bild musst Du nicht mehr bleichen. Zumindest wenn Du im Nachhinein keine Überraschungen oder Farbänderungen haben willst.

      Genau das wollte ich.

      Es gibt ja zwei Tönungsmethoden:
      1. Bleichen und Tönen. Die Farbe kommt im Wesentlichen vom Tönen.
      2. Nur Tönen. Es entsteht eine Mischfarbe von Blau und der Tönungsfarbe.

      Die Ergebnisse unterscheiden sich kaum, wenn man bei 1. die Reihenfolge tauscht. Das war für mich schon erstaunlich.

      Beim Tönen mit Teanol erhält man dagegen ein anderes Ergebnis: Der Kontrast wird schwach. Dagegen werden die Farben etwas schöner.

      [IMG:https://farm2.staticflickr.com/1529/26114246542_5daeed49a5_c.jpg]Cyanotypie mit Teanol by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Schwarzer Tee + Waschsoda + Vitamin C + Kochsalz, ca. 1 Stunde

      PS: Beim Bleichen mit Waschsoda verschwindet das blaue Bild fast völlig. Es bleibt ein ganz heller Beige-Ton übrig und sehr helles Gelb.

      Man muss entweder eine sehr schwache Konzentration wählen oder hinterher in jedem Fall tönen.

      Es gibt sicher andere Bleichmittel, die nicht so total wirken.
    • Bernd_Hutschenreuther schrieb:

      2. Nur Tönen. Es entsteht eine Mischfarbe von Blau und der Tönungsfarbe.


      Nicht wenn Du lange genug tonst. Wenn das Bild einige Stunden im Tee liegt, wird das Blau komplett durch Braun ersetzt.
      Das ist ja das schöne am direkten Tonen: Du kannst je nach Dauer entscheiden, ob Du ein Blaulila oder ein Blaugrau oder ein richtiges Braun willst.
      Mit der braunen Verfärbung des Papiers muss man leider leben.
      Ich wollte auch mal das Tonen mit Tannol versuchen. Da soll die Verfärbung des Papiers nicht so dramatisch sein wie mit Tee.

      Bernd_Hutschenreuther schrieb:

      PS: Beim Bleichen mit Waschsoda verschwindet das blaue Bild fast völlig. Es bleibt ein ganz heller Beige-Ton übrig und sehr helles Gelb.


      Ja ich weiss. Du kannst die Konzentration aber verringern und das Bad nur als leichten Abschwächer nehmen. Auch z.B. um Lichter zu klären oder den Kontrast leicht erhöhen.
      Aber wie gesagt: Danach darf nicht mehr getont werden, sonst wird alles rückgängig gemacht.

      Eine interessante Methode sind auch zweifarbige Cyanotypien: Du machst erst eine die Du braun tonst, beschichtest dann das Papier ein zweites Mal und machst dann eine weitere blaue darüber.
      Ich wollte das mal mit dem Inkodye probieren und 3farbige Inkodyes machen (bzw. Magenta und Orange als Inkodye und Cyan als Cyanotypie). Aber ich hatte leider nicht die Zeit dazu.

      Gruß

      Joachim
    • Bei dem Solarpapier, das ich für die Versuche genommen habe, ist stundenlanges Tonen nicht möglich, weil es zerweicht. (Ein, zwei Stunden hält es noch aus, bei längerem Weichen bilden sich beim Trocknen Risse und Knitterfalten, die durch das lange Weichen schon angelegt sind.)
      Beim Aquarellpapier, das ich für selbstgemachtes Papier verwende, sollte es aber gehen.
    • Ich habe mal die Anthotypien in Photoshop invertiert. Dabei ergab sich ein sehr ähnliches Braun, wie es beim Tonen entsteht.
      Nur die Helligkeit ist genau "andersrum".

      Wenn ich also mit Tee färbe, vereinen sich die Komplementärfarben mit subtraktiver Farbmischung. Welche Farbe erreicht wird, hängt dann eben von der Länge des Tonens ab.
      Unklar ist mir im Moment, warum sich an den Farbstoffen mehr Teefarbstoff ablegt als am nichtbelichteten Papier.
    • Bernd_Hutschenreuther schrieb:

      Unklar ist mir im Moment, warum sich an den Farbstoffen mehr Teefarbstoff ablegt als am nichtbelichteten Papier.


      Es handelt sich nicht um eine Einfärbung.
      Du darfst die Eigenfarbe des Tees nicht mit der Farbe der braunen Eisenverbindung verwechseln.
      Das einzige was durch die Teefarbe selbst eingefärbt wird, ist das Papier.
      Das Berliner Blau dagegen wird durch die Gerbstoffe oder auch Bitterstoffe (Tannine) im Tee chemisch zu braunem Eisentannat umgewandelt.
      Dabei ist die Eigenfarbe des Tees uninteressant. Du kannst die Cyanotypie mit fast dem gleichen Braunton tonen, egal ob Du Schwarztee, grünen Tee, Pfefferminztee, roten Malventee, Kaffee, Rotwein oder Katzenpippi nimmst.
      Lediglich die Papierfärbung wird anders sein. Diese hat aber mit der chemischen Verbindung nichts zu tun.
      Es kann aber unterschiedlich lange dauern, weil der Anteil der Gerbstoffe nicht in allen Mitteln gleich hoch ist. Am höchsten ist er im grünen Tee und im Schwarzteet. Am besten die billigsten Sorten.
      Kaffee habe ich auch mal probiert, nur ist dort die Papierverfärbung wegen der starken Eigenfarbe des Kaffees zu stark.

      Gruß

      Joachim