Neuigkeiten auf dem Filmmaterialgebiet?

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    • Ferrania ist wirklich nur ein ganz normales junges Unternehmen, das genauso amateurhaft agiert wie viele andere junge Unternehmen auch. Keine Überraschung, hatte ich auch nicht anders erwartet, als ich bei Kickstarter mitgemacht habe. Um es mit Zahlen zu sagen: In Ferrania steckt m.E. gerade mal ein Milliönchen EUR Kapital. Das steht übrigens - zusammen mit vielen anderen analytisch relevanten Details - im Handelsregister, vielleicht habe ich das nicht richtig in Erinnerung, aber es ist die richtige Grössenordnung. Das italienische Handelsregister ist übrigens erheblich aussagekräftiger als das deutsche, hatte mich wirklich positiv überrascht. Weiss hier jemand, ob das ggf. irgendwas mit der Bekämpfung organisierter Kriminalität zu tun hat?

      Im Kapitalismus sind schon grössere Mengen Geld für hinterher überschaubare Ergebnisse investiert worden und werden das auch ständig. Zum Vergleich: Alleine in Startups in Berlin wurden in 2015 ca. 2 Mrd. EUR investiert. Das ist eine dreistellige Anzahl von Unternehmen, bei denen alle Beteiligten von vornherein wissen, dass Misserfolg viel wahrscheinlicher ist als Erfolg. Bundesweit nochmal mehr, und alleine in Frankfurter Startups, wo die Szene nicht annähernd so gross ist wie in Berlin, fliesst in einzelne Jungunternehmen in einem Jahr mehr Kapital als zu Ferrania in 10 Jahren (gut, sehr viele sind das andererseits nicht). Also vielleicht mal eher aus einer globaleren Perspektive betrachten.

      Crowdfunding ist übrigens immer noch nicht unseriös, sondern vielleicht am Ende der einzige Weg, überhaupt an eine grössere Finanzierung zu kommen, was für ein junges Unternehmen ohne Traction oder einen signifikanten Track Record generell nicht leicht ist und bei einem Geschäftsmodell wie diesem, das für Investoren nicht attraktiv ist, noch umso weniger easy.

      Übrigens, meinen Reward habe ich immer noch nicht, bin aber natürlich nicht sauer. Den Schwarzweissfilm hätte ich sogar fast bestellt, bin aber damals kläglich am Shop gescheitert. Aussagekräftige Ergebnisse würde ich aber auch gerne mal sehen.
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)
    • Ich sehe es ähnlich wie Jens.

      Meine Mini-Investition entsprang dem Gedanken, einem kleinen Unternehmen, das aus hoffnungslosen Idealisten zu bestehen schien, in einer vom Aussterben bedrohten Nische bei der geplanten Reaktivierung alter Maschinen über die Schulter sehen zu können. Ehemals gigantische Produktionsanlagen nicht einfach komplett zu vernichten, sondern Brauchbares für einen viel kleineren Maßstab weiterzuverwenden, sind Ansätze, die in der Industriegeschichte nicht sehr häufig gewagt wurden, wie mir scheint. Es geht ja für Investoren meistens vor allem um (schnelles) Geldverdienen bzw. um große Gewinnerwartungen. Selten geht es Investoren bei der Unterstützung von Neugründungen um das Produkt an sich. Es ist häufig nur Mittel zum Zweck. Bei Filmferrania ist das offensichtlich anders. Die Gründer wollen nicht nur Geld verdienen (das sicherlich auch) sondern mit ihrem selbst produzierten Filmmaterial auch selber filmen.

      Meine Erwartungen wurden bislang also erfüllt. Die ganze Welt kann den Leuten von Ferrania bei diesem spannenden Prozess ein wenig über die Schulter schauen. Wenn die Gründer durchhalten und irgendwann tatsächlich Diafilm produzieren, umso besser. Die Anfangsbedingung, alle Rohstoffe zu besitzen und keine Materialien einkaufen zu müssen, hat sich mittlerweile erledigt. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wurden die Rohstoffe kurz vor der Entdeckung des Asbests verarbeitet und für den Guss vorbereitet. Es konnten aber keine Probegüsse mehr angefertigt werden, weil die Produktionsstätte von behördlicher Seite wegen der Schadstofffunde außer Betrieb genommen wurde. Dann kamen die Abrissarbeiten im Umfeld, die die Versorgungsleitungen kappten und so weiter und so fort.

      Sicherlich kann man den Leuten Naivität vorwerfen. Man könnte auch sagen, sie haben wirklich Mut zum Risiko gehabt. An mancher Stelle hätten andere Menschen endgültig das Handtuch geworfen. Das Geld der Kickstarterkampagne war aber zu einem Viertel für den Versand der Prämien deklariert. Das müssen sie nun irgendwie auf die Reihe bekommen, sonst droht Ärger. Kickstarter ist meines Wissens so konzipiert, dass eine Kampagne nur Geld eintreiben darf, wenn die Versprechungen eingehalten werden. So gab es ja bereits das Angebot von Filmferrania, anstelle der Diafilme ersatzweise P30-Schwarz-Weiß-Filme zu verschicken, damit aus dem Kreis der Unterstützer Leute ausscheiden und die ersten Ansprüche abgegolten werden. Da Filmferrania einst meinte, für die eigentliche Farbfilmproduktion so gut wie keine weiteren Materialien einkaufen zu müssen, scheint nun ausreichendes Kapital für die Rohstoffe und Mitarbeitergehälter der geplanten Diafilmproduktion zu fehlen. Für mich ist das ein Grund, warum sie überhaupt versuchen mit dem P30-Schwarz-Weiß-Film Geld in die Kasse zu bekommen. Keine Ahnung, wie viele P30-KB-Filme hergestellt und zu welchem Preis sie verkauft werden müssten, damit es mit dem Farbfilm weitergehen könnte. Das wäre eine Frage an echte Branchenkenner. Ich fürchte, es sind eine ganze Menge.

      Die P30 liegen bei mir im Kühlschrank und warten nur aus einem Grund auf ihren Einsatz: Ich komme derzeit weder zum Fotografieren noch zum Entwickeln.
      Jetzt wird es langsam Herbst und das Licht wird langsam knapp für ISO 80 in der Olympus XA. Könnte also noch dauern. Passt ja irgendwie auch zum Stil des Herstellers.

      Um meinen Spekulationen im obigen Text die Wucht zu nehmen: Ich habe keine Insiderkenntnisse und könnte mit meinem Geschreibsel auch vollkommen daneben liegen.
      Dauerausstellung über 30 Jahre mit der Olympus XA
    • Heute gab es eine Neuigkeit von LOMO

      shop.lomography.com/en/lomochrome-purple-film-super8

      Ich habe mal 2 Kassetten gekauft und werde die mal belichten und Entwickeln und ggf. drüber berichten.

      Der Andrang war wohl riesig und es erst mal alles weg!

      Gruß

      Marwan
      "Das dumme an Zitaten aus dem Internet ist, dass man nie weiß, ob sie stimmen" (Leonardo Da Vinci 1442-1519)
    • Jens Dörsam schrieb:


      Aussagekräftige Ergebnisse würde ich aber auch gerne mal sehen.
      Ich glaube ja auch nur, was ich sehe, und den Menschen kann geholfen werden:

      flickr.com/groups/3270489@N22/pool/

      Vielleicht haben die Leute hier, die den P30 schon eingesetzt haben, einfach keine Lust, sich durch den Fleischwolf drehen zu lassen. Ich habe freundlicherweise 2 Filme von einem Freund bekommen. Der Film ist nicht einfach handzuhaben, arbeitet sehr kontrastreich und neigt offensichtlich zu abgesoffenen Schatten und ausgefressenen Lichtern, wenn man ihn "nach Vorschrift" verarbeitet. So ist auch mein erster Teststreifen in die Hose gegangen. Ich sehe den P30 nach den ersten beiden Versuchen in Caffenol mit allem Vorbehalt bei 20-40 ASA und man sollte ihn m.E. eher sehr knapp als reichlich entwickeln. Bei der Apug (heißt ja jetzt Phototrio, na ja) gab es auch einen Bericht von jemandem, der den Film densitometrisch eingetestet hat und bei 30 - 40 ASA landete. Der Film hat auch eine etwas geringere Rotempfindlichkeit, also m.E. eine eher orthopanchromatische Sensibilisierung. Dies hatte Ferrania dem P30 schon in den 60s attestiert.

      Wenn aber alles passt, kann man sehr gute Ergebnisse erzielen, mit einem durchaus eigenen Look. Da kann man unter dem Link auch viele schöne Beispiele sehen, neben vielem misslungenem. Da ist wohl das letzte Wort noch nicht gesprochen. Gäbe es den Film regulär zu einem halbwegs "normalen" Preis zu kaufen, würde ich sofort mehr besorgen.

      Die fehlbelichteten und fehlentwickelten Bilder lassen sich übrigens auch mit Photoshop nicht retten. Wo nix is, kann man nix retten. Und wo was is, muss man nix retten.
    • Ralf Klossek schrieb:

      @Reinhold Grombein
      Bei Entwicklung des P30 mit Caffenol: Was wäre dein Vorschlag hinsichtlich Belichtung und Entwicklung als Ausgangsbasis für weitere Versuche?
      Wie ISO 40 belichten, habe ich aus deinen Worten herausgelesen. Aber mit welchem Caffenol-Rezept hast du deine ersten Erfahrungen mit dem P30 gesammelt?
      1. Caffenol-C-M(rs) 18 min 20°C, EI 80, drastisch überentwickelt.

      2. Caffenol-C-M(rs) 12 min 20 °C, EI 40, schon besser, konnte aber nur rel. kontrastarme Motive belichten.

      Fixieren: unbedingt Klärtest machen, evtl. Fixierer verdünnen. Neigt wohl auch zu Flecken, unbedingt A. dest. verwenden. Ausgelutschter Fixierer dürfte massenhaft Flecken geben. Benimmt sich also fast wie ein Mikrofilm.
    • Reinhold Grombein schrieb:

      ... schon besser, konnte aber nur rel. kontrastarme Motive belichten. ...
      Wenn ich die Ursprungsära des P30 bedenke, fällt mir die Käferwerbung von 1968 ein.

      Er läuft und läuft und läuft und läuft und läuft und ...

      Möglicherweise waren Kinonegativfilme dieser Zeit grundsätzlich für solche Lichtverhältnisse eingerichtet?
      Ein Leben ohne Film ist möglich, aber sinnlos.
    • Man hat auch früher schon Kinofilme draussen bei Sonnenlicht gemacht, daran wird es wohl nicht liegen. Filmkameramänner konnten übrigens auch schon immer "Zonensystem".

      Vielen Dank an Reinhold für die Dokumentation.
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)