Cyanotypie, ein langer Weg ... bis zur "Hexenküche"

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    • Cyanotypie, ein langer Weg ... bis zur "Hexenküche"

      Hallo, einige Erfahrungen mit Cyanotypie.

      Zuerst machte ich damit Bekanntschaft als ich als wissenschaftlicher Assistent an der TU Dresden arbeitete - ohne es zu wissen.
      Man machte dort "Blaupausen".
      Ich war leider nicht dabei, erkundigte mich aber danach, erfuhr nur, dass mit Wasser "entwickelt" würde.
      Ich dachte, das müsse auch für Fotos gehen, kam dann aber wieder davon ab. Man sagte auch, die Qualität sei zu schlecht. Was man halt so unter Qualität verstand. so ca. 40 Jahre später ging die Geschichte weiter. Im DSLR-Forum gab es einen Faden mit Analogbildern, dort sah ich so ein Teil.

      Das änderte meine gesamte Herangehensweise. Vorher war ich technisch orientiert, wollte Fotos so scharf wie möglich und so schön wie möglich. Die beste Technik hing zwar zu hoch, wie halt die Trauben.

      Doch da war eine neue Perspektive.

      Ich besorgte mir ein Set mit Lösungen und Papier, sauteuer, aber anwendbar.

      Es funktionierte auch.

      Allerdings nicht sofort.

      Es wurde zwar blau, aber "zu" blau.

      Cyanotype by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Der nächste Versuch klappte dann.

      „Junge Naturforscher“ by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Und dann kaufte ich eine Packung fertiges Papier, für ein Gartenfest. Die Kinder waren relativ begeistert. Relativ bedeutet: einige, nicht alle.

      Löwenzahn by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Nun besorgte ich mir die Pulver.
      und setzte 1/10 der kleinen Menge an. 5 g statt 50 g und 2 g statt 20 g.

      Und nun trocknen die Blätter vor sich hin.

      Eins erprobte ich schon mal in feuchtem Zustand. Erstaunlich war, dass die Grundfarbe hier nicht weiß ist, sondern bläulich.
      Bei den anderen war die Grundfarbe bläulich, sie löste sich dann heraus.

      Wenn es genügend trocken ist, zeige ich das erste Testbild aus der Hexenküche.


      Cyanotypie - Aquarell by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Weiß ist weiß.
    • Auf speziellem gemaserten Leinenpapier, die Sonne war nicht sehr kräftig.
      Ich bin jetzt nicht sicher, ob die geringe Sättigung an zu kurzer Belichtung oder an meiner Beschichtung liegt.
      Sieht insgesamt trotzdem ganz gut aus.

      Beim Auswaschen wurde es blass.

      Ich bringe hier auch den Weg mit seltsamen Resultaten und gegebenenfalls Fehlschlägen.

      A4
      Hellblau by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Jedenfalls sind es die ersten Cyanotypien, bei denen Weiß weiß bleibt, die ich gemacht habe.
    • Die Lösung für die zwei letzten Bilder war die gleiche. Nur: beim ersten war es Fotopapier, beim zweiten "beschichtetes Naturpapier". Das erste ist wasserdicht, beim zweiten ist es mit Farbe durchtränkt.
      Das erste hatte ich ca. 10 oder 20 Minuten belichtet (ich hatte es vergessen). Das zweite war ca. fünf Minuten belichtet. Ich musste dann weg und hatte keine Zeit mehr. Ortsbeiratssitzung, unter anderem über Räumung von Schnee von Fahrradwegen im Winter.

      Bei zu kurzer Belichtung wird die Farbe weggespült. Ich denke, das ist die Hauptursache, es war noch lang genug, um Farbe zu behalten.

      Das Wässern löst alle unbelichtete Farbe heraus.
      Nach dem Wässern dunkelt es noch nach, wegen Sauerstoff. Ich habe Wasserstoffperoxid im Wasser zugefügt, um das zu beschleunigen.

      Ich habe zwei Rezepte, bei einem ist das Mischungsverhältnis ziemlich 1:1 (3:4), beim anderen 2:5.
      Ich habe 2:5 verwendet.
      Siehe: wp.radiertechniken.de/edeldruckverfahren-iii/cyanotypie/

    • Ich habe nachgeprüft.
      Das kleine Fotopapier ist beschichtet und nimmt die Farbe tatsächlich schlecht auf. Und gibt den unbelichteten Teil schlecht ab.

      Das A4-Papier nennt sich "Beschichtetes Naturpapier, ..., Japan" von Schleicher und Schuech.
      Das scheint extrem selten zu sein, geht aber sogar besser als Aquarellpapier.

      Und es ist sehr gleichmäßig beschichtet. Das sieht man selbst an dem sehr unterbelichteten Bild. Die unbelichtete Farbe löst sich fast augenblicklich heraus.
      Beim Scannen war ich bei den ersten Bildern zu schnell. Sie dunkeln noch leicht nach und sind erst fertig, wenn sie völlig trocken sind.

      Das "Japan"-Papier funktioniert gut und hat eine sehr schöne Struktur. Meine Parameter für Belichtungszeit und Negative sind noch nicht optimal.


      Spitzwegerich und Löwenzahn by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr
      Vor dem Scannen "richtig" trocken.
    • Sieht sehr gut aus. Das hab ich im Gespräch mit den Herren aus Österreich ebenfalls rausgehört, dass es sehr auf das Papier ankommt. Jedes Papier mit aufgetragener Lösung sieht anders aus.
      Schlecht sind wohl wirklich beschichtete Papiere, weil die Lösung nicht richtig in das Papier eindringen kann.
      [url]http://christian-thiele.tumblr.com/[/url]
    • Hallo Bernd,


      mal ein paar Erfahrungswerte von mir: Das Set, dass Du am Anfang hattest sieht mir sehr nach der sog. New Cyanotype nach Mike ware aus. Die hat einen viel weiteren Kontrastumfang als die traditionelle Lösung (die Du später verwendet zu haben scheinst) und ist wesentlich zickiger was das Papier angeht. Ich hatte damit die gleichen Probleme, also keine Weissen, keine Tiefen, nur Suppe. und bei allen Papieren mit Pufferung (also Soda drin) geht das richtig schief.
      Problem auch: Für diese Chemie braucht man Negative mit massiv höherem Dichteumfang als für alles andere, sonst wird das schwierig. Ich habe es nur einmal geschafft, das auszuschöpfen, da war das Grundnegativ ein "Papierfilm" (Papieremulsion auf klarem PET Träger, gibt's heutzutage nicht mehr), ein so dermassen hartes Negativ, dass alles zu spät war. Mit modernen Mitteln, sprich: Laserdrucker auf Folie oder so, ging nie irgendwas weiter.
      Die tradtionelle Chemie ist diesbzgl Pflegeleichter.
      Ich bin dann irgendwann auf die kommerziellen Van Dyke Sets umgestiegen, die reagieren zwar auch auf die Papierchemie, aber nur mit Farbumschlag und leichten Kontrastverschiebungen, aber nicht mit Vollkatastrophen :)
      Will heissen: Beim Papier vorallem darauf achten, dass es eben nicht "säurefrei" oder so heisst, weil das bedeutet fast immer: Alkali-Puffer und das mag das Eisencitrat garnicht.