Funktionsweise E6 Stabilisierbad

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    • Funktionsweise E6 Stabilisierbad

      Hallo zusammen.

      Kann mir einer erklären, was genau das E6 Stabilisierbad macht?

      Ist das ein Netzmittelbad für schnelleres trocknen und könnte weggelassen oder durch Aqua demin ersetzt werden oder beeinflusst es wirklich noch die Emulsion?

      Gruß Thorsten
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      Nikon F2 mit DE-1, DP-3 und DP-12, Olympus OM-1 und OM-2, Hasselblad 501CM, Rolleiflex 3.5E, Linhof Technikardan 45
      (und ein paar andere alte Kameras, die nur im Schrank rumliegen)
    • Hallo Thorsten,
      hier eine alte Rezeptur aus der Rezeptesammlung von Udo Raffay:

      Stabilisierungsbad

      Wasser, dest. 900 ml
      Netztmittel T, konz. 1 ml
      Formaldehydlösung 40 % 6 ml
      Wasser, dest. auf 1000 ml

      Es handelt sich also nicht nur um ein Netzmittel, sondern das Formaldehyd soll auch die Emulsionsschicht härten und mit "unerwünschten chemischen Stoffen" (z.B. dem nicht verbrauchten Magenta-Kuppler) reagieren und dadurch die Farbstoffe stabilisieren. Ferner wirkt es als Biozid gegen Pilzbefall und Bakterienfraß.
      Formaldehyd gilt inzwischen als krebserregend und wird heute in Stabilisierungsbädern nicht mehr verwendet. Modernere Stabilisierungsbäder sind daher ganz oder fast formaldehydfrei, das erforderliche Formaldehyd ist in moderneren Prozessen schon im Pre-Bleachbad enthalten. (Quelle: Jost Marchesi, Handbuch der Fotografie, Bd. 3)
      Das Netzmittel dürfte ähnlich den Typen Agepon Mirasol usw. sein (z.B. Triton X 100, ein Octylphenol-Ethoxylat).
      Viele Grüße, Jochen
    • Das Thema kommt regelmäßig auf, wohl in der Angst davor begründet.

      Es ist so wie Jochen geschrieben bzw. zitiert hat.
      Der Prozess mit dem Pre-Bleach entfällt aber beim bekannten Tetenal 3-Bad Prozess.
      Daher ist dort wohl noch Formalin im Stabibad vorhanden. Zumindest bei den ein paar Jahre alten Kits die ich noch habe.
      Und es sollte auch nicht weggelassen oder ersetzt werden.

      Man sollte auch nicht unnötig viel Angst davor haben.
      Erstens arbeitet man nicht täglich mit den Chemikalien und zweitens dürfen sich etwaige "Ausdünstungen" von Dias in Grenzen halten, sofern man nicht 1 Million Dias im Schlafzimmer lagert.
      Etwas Vorsicht, Handschuhe und gute Belüftung bei der Verarbeitung und es ist gut.
      Andere Fotochemikalien wie Hydrochinon usw. sind auch nicht unbedenklich und trotzdem wird da nicht so ein Hype drum gemacht. Man baded die Hände nicht im Entwickler und sollte das im Stabi auch nicht tun.

      Formaldehyd ist immer noch in vielen Produkte enthalten, z.B. Kosmetik, Reinigungs/Desinfektionsmitteln und Klamotten. Geht man an einem heissen Tag in ein Kleidungsgeschäft, haut einem der Mief geradezu entgegen.
      Der Anteil in Textilien ist zwar begrenzt, aber die Masse an Textilien machts.
      Die Leute die dort arbeiten, sind sicher dauerhaft einer ganz anderen Dosis ausgesetzt, als man es beim Entwickeln eines Diafilm ab und zu sein könnte.
      Eine Gefahr besteht in der "chronischen Exposition", also dem ständigen ausgesetzt sein.
      Daher wurde die Verwendung des Stoffs ja zu Recht reduziert, z.B. in Spanplatten und Möbeln und Textilien.
      Aber es soll keiner annehmen, dass der Stoff darin gar nicht mehr enthalten ist bzw. von diesen Teilen nicht mehr ausdünstet.
      Also wer jetzt sein Haus nicht komplett mit Massivholzmöbeln oder Stahl, Glas und Beton ausgestatt hat, sollte sich wegen der paar Diafilme nicht sorgen.

      C-41 betrifft das "Problem" nicht. Die Farbstoffe wurde einst geändert, so dass diese kein Formalin mehr benötigen.
      Das Stabi für C-41 und auch RA-4 ist daher frei von Formalin.

      Dias und Kinofilme (Cinestill) benötigen es.

      Gruß

      Joachim
    • Hallo.

      Danke für die Antworten. Meine Frage kam nicht, weil ich mir Sorgen um Umwelt oder Gesundheit gemacht hätte, sondern weil ich schlicht bemerkte, dass das Zeug genau so übel schäumt wie Netzmittel und ich daher dachte, dass es wohl schlicht das gleiche sei. In dem Fall hätte ich meinen E6-Prozess dann nämlich meinem SW-Prozess angepasst, den Stabilisator weggelassen und am Ende einfach mal in demineralisiertem Wasser gebadet. Das hat bei SW für mich immer bessere Ergenisse gebracht als irgendwelche Netzmittel.

      Da - wie ich nun weiß - im Stabilisator bei E6 noch Chemikalien drin sind, die den Film wirklich beeinflussen, hat sich das erübrigt.

      Es bleibt aber die Frage: Wie lange muss der Stabilisator einwirken. Reicht es, den Film eine Minute einzutauchen und dann anschließend noch mal in Aqua demin schlusszuwässern oder muss die Stabi-Lösung auf dem Film langsam eintrocken?

      Gruß
      Thorsten
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      (und ein paar andere alte Kameras, die nur im Schrank rumliegen)
    • Hallo Thorsten,
      wohl kaum ein anderer fotografischer Prozeß ist so detailliert und präzise beschrieben, sogar mit Schwankungsbreiten der Temperatur und Zeit, wie die Color-Umkehrentwicklung. Und kaum ein anderer Prozeß reagiert so empfindlich auf Prozeßschwankungen wie ein Color-Umkehr Prozeß. Das Diapositiv ist bereits das Endergebnis und nicht mehr korrigierbar. Die SW-Verarbeitung ist hier wesentlich prozeßtoleranter. Variationen am Colr-Prozeß sollte man nur vornehmen, wenn man genau weiß, was man tut, oder wenn dafür bereits erprobte Rezepturen veröffentlicht sind.
      Ich würde daher empfehlen, sich genau an die Angaben des Herstellers zu halten, die sind wirklich ausreichend erprobt.
      Viele Grüße, Jochen.
    • Thorsten Latz schrieb:

      Wie lange muss der Stabilisator einwirken. Reicht es, den Film eine Minute einzutauchen und dann anschließend noch mal in Aqua demin schlusszuwässern oder muss die Stabi-Lösung auf dem Film langsam eintrocken?
      1 bis 2 Minuten genügen.
      Und nein, auf keinen Fall Schlusswässern. Das Stabi muss in der Emulsion verbleiben, weil es einen Langzeitschutz darstellt.
      Also wie nach einer normalen Schlusswässerung bzw. Netzmittelbad direkt aus dem Stabi abstreifen und aufhängen.
      Wenn man das Stabi mit Aqua demin ansetzt gibts auch keine Kalkflecken.
      Das Stabi kann oft benutzt werden. Ich benutze das bestimmt für 20 Filme oder mehr. 1 Liter.

      Gruß

      Joachim
    • Es gibt C41-Stabi auch separat bei den üblichen Verdächtigen, kann man ja leicht rausfinden. Ob es bei dieser Anwendung sinnvoll ist, wäre die andere Frage. Will sagen, wenn du Cinefilme in C41 crossentwickelst, kriegst du eh "falsche" Farbstoffe mit fraglicher Langzeitstablität. Daran wird auch das Stabi nix ändern. Aber schaden wird es wohl auch nicht. Ich würde die Ergebnisse jedenfalls zeitnah scannen und mich gedanklich von den Negativen verabschieden.

      Rolf Eilert schrieb:

      Kriegt man dieses Stabi separat irgendwo, wenn es nicht im Kit enthalten ist? Ich meine jetzt z. B. bei C41, wenn man Cinestill entwickeln will bzw. zum Nachbehandeln?

      Grüße
      Rolf
    • Hm, jetzt bin ich aber platt. Ich denke, der "Trick" bei Cinestill liegt darin, dass die lediglich den Schutzfilm abmachen und dann der Film mit C-41 entwickelt werden kann, bzw. dass die "normale" Entwicklung für den Film eine Art C-41 mit zusätzlicher Beseitigung des Schutzfilms ist... Also, so wird es jedenfalls erklärt.

      Aber es ist jetz tnicht so, dass ich da viele Filme mit mache, bisher hab ich nur einen mal getestet (und war sehr zufrieden) und habe einen zweiten, der noch auf seinen Einsatz wartet. Langzeiterfahrungen liegen ja auch noch nicht vor, kann ja gar nicht.

      Scannen werde ich die jedenfalls nur, wenn ich 1. mal irgendwann einen Negativscanner haben sollte und 2. irgendwelche ganz wichtigen Motive betroffen wären. Sonst könnte ich ja einfach mit meiner Digiknipse loslaufen, das wäre dann sinniger.

      Grüße
      Rolf
    • Nein, beim Cinestill handelt es sich um Kodak Vision 3 500T Kinofilm. Der wird normalerweise im Prozess ECN-2 entwickelt, welcher CD3 als Entwicklersubstanz hat.
      C-41 verwendet CD4. Somit ist eine C-41 Entwicklung, welche von den findigen und geschäftstüchtigen Cinestill-Leuten propagiert wird, eigentllich eine Crossentwicklung.
      Man "kann" oder "darf" vieles, aber typgerecht ist C-41 wie auch RA-4 (geht auch!) für den Film nicht.
      Die Haltbarkeit der Farben und auch die "echte" Farbwiedergabe bei Entwicklung nach C-41 sind nicht gewährleistet.
      Irgendwie kommen schon Farben raus, aber der Film bringt erst bei der echten ECN-2 Entwicklung seine wirklichen Stärken.
      Dabei wird auch unter anderem ein schwefelsaueres Stopbad genommen.
      Ich selbst habe schon Kinofilm in C-41 entwickelt. Die Farben waren etwas daneben (ein leicht nostalgischer Touch) und vor allem das Korn war deutlich gröber. Normalerweise ist der 500T extremst feinkörnig.
      Die meisten Anwender scannen den Film nur ein und biegen die Farben im Photoshop zurecht.
      Direktes Vergrößern von Kinofilm bringt sehr weiche Abzüge, bis hin zu "matschig" und "geht gar nicht".
      Du schreibst Du hättest schon einen verwendet. Wie sind denn davon die Abzüge geworden?
      Der Film eignet sich aber schön als Internegativfilm für Dias. Da wird der hohe Kontrast der Dias schön ausgeglichen.
      Auch eignet sich der Film sehr gut für Nachtaufnahmen und Feuerwerk.

      Gruß

      Joachim
    • Der typgerechte Prozess für Cinefilme heißt ECN-2 und verwendet eine andere Entwicklersubstanz (CD3) als der Prozess C41 (CD4). Das ist deshalb von Belang, weil im Farbprozess die (oxidierte) Entwicklersubstanz mit dem Farbkuppler zum Farbstoff reagiert. Verwendest du einen anderen Entwickler, erhältst du automatisch einen anderen (chemisch anders aufgebauten) Farbstoff mit anderen Eigenschaften. Die aus den falschen Farbstoffen resultierenden Farbstiche kannst du in der Nachbearbeitung (scannen) beeinflussen bzw. korrigieren, die Langzeitstabilität der Farbstoffe natürlich nicht.

      edit: sehe gerade, dass Joachim mir zuvorgekommen ist ...
    • Danke ihr beiden, das war sehr einleuchtend.

      Mit dem einen bisher von mir verwendeten Film habe ich in Osnabrück auf der Maiwoche im Dunkeln die Buden und die Leute aufgenommen. Alle weißen Lampen waren wirklich weiß, Glühlampen einen Tucken wärmer, aber insgesamt sehr stimmig. Blau wurde ein bisschen extremer, kalt abgestimmte Leuchtstoffröhren grün-blau, Feuer ein bisschen gelb, aber insgesamt war ich mit den Aufnahmen sehr zufrieden. Auf jeden Fall hatte der Film auch in den Schatten noch Zeichnung, so dass ich einige Bildpartien aufhellen konnte, und die Filterung entsprach einem durchschnittlichen C41-Film.

      Für Kleinbild war bei 800 ISO das Korn auch völlig ok.

      Also, so schlimm war's nicht :)

      Grüße
      Rolf

      P.S.: Auch wenn es ein bisschen off-topic ist, ich weiß nicht, wo das jetzt besser aufgehoben wäre, also hier zwei schlampig mit dem Handy abgeknipste:

      Maiwoche1.jpg

      Maiwoche2.jpg