Die Kröten unter den Kameras

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    • Die Kröten unter den Kameras

      Hallo,

      nach dem im Verkaufsbetratungs-Thread (Kaufberatung: Analoge Spiegelreflexkamera (Anfänger)) die Grundstimmung ist, dass es kaum wirklich schlechte Spiegelreflexkameras gibt, würde mich jetzt mal interessieren, um welche Kameras man besser einen Bogen macht.

      Welche Kamera war für euch besonders enttäuschend? Wo hat ein Hersteller Mist gebaut? Wo gab es totale Irrwege bei der Konzeption? Welche Kamera-Kröte hättet ihr am liebsten frustriert an die Wand geklatscht, ohne Hoffnung auf einen verwunschenen Prinz?

      Schönes Wochenende
      Hans
    • Egal welche Kamera nun in der Folge als Kröte bezeichnet wird, es wird jemand schreiben, dass er gerade mit dieser Kamera die besten Bilder seines Lebens gemacht habe. Sei´s drum, unabhängig von der Preisklasse und dass man für das Geld ja nichts besseres erwarten konnte, hier meine beiden Negativknipsomaten:

      1. Die ADOX Golf (da es mehrere dieses Namens gab, ich meine den Falter), Er bestand aus umgebogenem Blech, Papier und einfachstem Objektiv. Ein furchtbarer Falter!

      2. Die EXA 1b. Eine klapprige Konservendose, an der aber auch gar nichts Freude gemacht hat. Selbst gute Objektive konnten das nicht wettmachen.

      Es waren keine Einzelfälle, ich hatte von jeder der beiden mehrere. Und ich würde keine von beiden wiederhaben wollen, selbst geschenkt nicht. Dagegen sind die einfachen Beirette und die Kodak Instamatic ja noch ein Fotoapparate *green*
      ernst-kluger.de


      Selbst der größte öffentlich verkündete Unfug begann häufig mit den Worten "Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ......."
    • Da fallen mir vor allem Kameras aus deutscher Produktion ein, allen voran die Contarex. Dann gab es noch einen späten Rolleisucher (war es die Rolleimatic?), die Voigtländer VSL-Reihe und Verwandte, Minox 35 ML, die erste Serie der Rollei SLX, Kiev 88 mit unbekannter Herkunft und viele KB-SLRs mit Zentralverschluss (z.B. Topcon). Auch Kameras mit sehr frühen jap. Zentralverschlüssen würde ich meiden. Mein Beispiel wäre hier die Mamiya C3 - ich hatte mehrere Objektive und keins hat wirklich gut funktioniert.
      Die Reparatur dieser Modelle, ausgenommen die Kiev, ist heute sehr aufwändig, wenn nicht gar unmöglich. Wenn es nur ums Fotografieren geht, würde ich die Finger von den genannten Apparaten lassen. Werksneu waren die alle mal sehr gut, aber nach einigen Jahrzehnten gibt es eben Einschränkungen, die man mit anderen Kameras nicht hat - v.a. hinsichtlich der Reparaturfreundlichkeit.
    • Ernst Kluger schrieb:

      ...

      2. Die EXA 1b. Eine klapprige Konservendose, an der aber auch gar nichts Freude gemacht hat. Selbst gute Objektive konnten das nicht wettmachen.

      ...
      Bei der Exa 1b hatte ich auch eine Kröte, sie hatte die bemerkenswerte Eigenschaft, bei mittleren Belichtungszeiten gar keine Bilder zu machen. Da ich meine Bilder bei 1/100 s gemacht hatte, erhielt ich einen vollen Film ohne Bilder.
      Bei 1/175s hatte ich geprüft, bei "Beliebig" (bulb) auch. Es dauerte dann etwas, bis ich es herausgefunden hatte, dass im Wesentlichsten die 1/00 nicht ging.

      Es war ein Erbstück von meinem Vater, der lange nicht damit fotografiert hatte.
      Jedenfalls habe ich sie furchtlos auseinander- und wieder zusammengebaut. Ging wieder. Aber ich habe dann andere genommen.
      Ich habe auch noch Exa 1a und weitere Exa 1b, bei keiner anderen trat das auf.

      Beirette habe ich auch, funktioniert gut.
    • Meine bislang furchtbarste Kamera war eine Zorki 4K. Das aber auch lediglich deshalb, da nur eine Belichtungszeit dazu führte, dass sich die Verschlussvorhänge so weit voneinander entfernen, dass sie auch Licht durchlassen. Sonst löste sie fließig aus, macht auch Geräusche als wollte sie funktionieren, tat sie aber nicht. Wenn sie funktioniert hätte, wäre sie sicherlich eine ganz interessante Kamera gewesen.

      Was die bislang genannten Exas anbelangt, hatte ich scheinbar mehr Glück. Die Exa 1b war die erste Kamera, die ich probieren durfte, weil meine Eltern sie nicht mehr benutzten.


      Darüber hinaus fand für mich Enttäuschung bislang nur im digitalen Sektor statt. Aber das sollte hier weniger Relevanz haben.
    • Mh, jetzt musste ich lange nachdenken. Waren ja nicht wenige Kameras.
      So richtig verärgert entäuscht war ich eigentlich von keiner.

      Seit der der Erfahrung mit meiner Nikon FM2 bin über solche Urteile vorsichtig geworden.
      Die allgemein als zuverlässig bekannte Kamera leistete mir ca 20 Jahre guten Dienst, bis ihr Verschluss kapitulierte.

      Die Zorki IV hatte schon beim ersten Film ein Problem mit dem Messsucher.
      "Entäuscht" war ich von meiner Bronica SQ-Ai, der ein Hebel abbrach.
      Und weil das noch im Wald passierte, ich den abgefallenen Hebel für immer verlor, war's ireparabel und besonders ärgerlich.

      Zwar eine Entäuschng, aber es hielt sich angesichts der Eigenschaften und Zustands in Grenzen : die TLR Toyocaflex Ib.
      Das "primitivste" Stück Kamera welches ich jemals in den Händen hielt :)
      Ein sehr gegenlicht-anfälliges Objektiv, ein nur als "wirklich dunkel" zu bezeichnenden LichtschachtSucher und ständig verklemmtes Film-Sichtfenster (notwendig da keinen automatischen "Bildstop").
      Trotzdem - oder gerade wegen - dieser Unzugänglichkeiten eine mir sympathisch gewordene Kamera.
    • Hallo,

      bei mir war die Kröte eine Fuji Kompaktkamera der letzten Generation. Ich habe sie neuwertig mit Tasche und Bedienungsanleitung für wenig Geld auf einem Flohmarkt bekommen. Bei Stiftung Warentest hatte das Modell ganz gut abgeschnitten. In weiß sah sie gar nicht schlecht aus.
      Sie entpuppte sich aber als so lichtschwach, dass sie den Blitz startete, wenn nicht gerade die Sommersonne vom Himmel brutzelte. Am Ende waren die meisten Bilder unscharf wegen Verwackelung und/oder schlechtem Autofokus.

      Nach dem Testfilm habe ich die erreichbaren Schrauben für meinen Ersatzteilfundus herausgeschraubt und den Rest voller Wonne in den Elektroschrottcontainer im Bauhof gepfeffert.
      • Schlechte Erfahrungen habe ich mit der Fujica 645 gesammelt. Sowohl bei der 645 W als auch bei der 645 GS hat sich der Filmtransport verabschiedet, bei der GS hatte ich zusätzlich Lichteinfall durch den Verschluss und einen defekten Balgen.

      • Probleme bereiten mir die Voigtländer VSL3E, teilweise arbeiten sie nur im Hochformat (Auslöser unten) korrekt. Das Gegenstück Rolleiflex SL35E scheint das bessere Öl erhalten zu haben. Der Zeitauslöser hingegen ist bei beiden Modellen gruselig. Der Winder zu diesen Kameras ist eine Missgeburt, sehr viele taugen nur noch als Briefbeschwerer -sie schalten nicht richtig ab und jaulen jämmerlich.
      Mit Gruß

      Jochen
    • Vor ein, zwei Jahren hätte ich in diesem Zusammenhang womöglich die Rolleiflex 2,8 GX genannt; meine ersten Erfahrungen damit waren (im Vergleich mit diversen anderen Rollei-TLRs) ernüchternd: Der Auslöser ist überraschend schwergängig, die Ausstattung ist schlechter als die der alten Modelle, und die Verarbeitung wirkt nicht ganz so wertig wie bei den alten Rolleis. Anfangs wollte ich sie wieder verkaufen, doch ich habe mich daran gewöhnt: Das Planar ist einfach sehr gut, der Belichtungsmesser arbeitet präzise (wenn man das Fremdlicht berücksichtigt und mit dem Auge an der Lupe misst), und durch einen Softauslöser kann ich ein annehmbares Auslösegefühl erzeugen. Nach etlichen Filmen gefällt sie mir nun doch...

      Vorsicht ist m.E. bei den Forums-Standardempfehlungen angebracht. Das mögen zwar bewährte Modelle sein, aber mitunter führt die durch Empfehlungen angeheizte Nachfrage zu Marktpreisen, die in keinem vernünftigen Verhältnis zum Gegenwert stehen. Ein Beispiel: Wenn jemand ins Mittelformat einsteigen möchte, wird mit Sicherheit eine Zweiäugige empfohlen, und garantiert wird dann das Modell Yashicamat 124G genannt. Die Folge: Für eine solche Kamera werden dann häufig Preise jenseits von 150 € verlangt und bezahlt. Die anderen Modelle - Yashica hatte Dutzende TLRs im Programm - bleiben dann unbeachtet. Oder die Rolleiflex T, das Mittelklassemodell zwischen 'Flex und 'Cord... Hier werden (wegen des Wechsellichtschachts und der helleren Einstellscheibe) Preise von z.T. weit über 400 € aufgerufen, während eine Rolleiflex 3,5 B - ebenfalls mit Tessar - beinahe verramscht wird.
      Beste Grüße
      Jan
    • Jan Seifert schrieb:

      Ein Beispiel: Wenn jemand ins Mittelformat einsteigen möchte, wird mit Sicherheit eine Zweiäugige empfohlen, und garantiert wird dann das Modell Yashicamat 124G genannt. Die Folge: Für eine solche Kamera werden dann häufig Preise jenseits von 150 € verlangt und bezahlt.
      Da hast du schon recht, eine brauchbare Mat124G ist kaum noch unter 200 Euronen zu bekommen. Ich selbst habe für meine vor einem Jahr ca. 230€ berappt. Ich bin aber hochzufrieden mit dem Teil und empfinde diesen Preis keineswegs als überzogen.
      "The one with the most stuff when he dies wins" (Felinik, APUG English Forum)
    • Meine Kleinbildkröten waren die Prominent I u. II. Zwar phantastische 50er Optiken (Ultron u. Nokton), aber die Meßsucher sind bei beiden Kammern deutlich schlechter als die der Konkurrenz (z.B. Werramatic u. Leica M3). Das Nokton kann man bei knappem Licht und schnellem Film gar nicht ausnutzen, weil der Sucher dann aussteigt und der Kontrast zum Fokussieren nicht mehr ausreicht. Das kann sogar die alte Schraubleica besser. Dazu ist das 150er nicht gekuppelt und der kameraeigene E-Messer für die Brennweite zu ungenau.
      Schimmelreiter
    • Neu

      Ich kenne zwei Sorten von "Kröten": Kameras, die unzuverlässig funktionieren und solche, die einfach verkonstruiert sind.
      Unzuverlässig, sodass ich sie reparieren lassen musste, waren bei mir nur eine Praktica Super TL 2 und eine Minox 35. Bei einer Minolta STR 303b löste sich die Verkittung des Sucherokulars, was ich selbst reparieren konnte. Bei der Pentax MZ-5 brach die Feder des internen Blitzgeräts, das ist wohl bei der gesamten MZ-Serie eine Schwachstelle.

      Eine technische Sackgasse sind sämtliche Kleinbild SLRs und Sucherkameras mit Zentralverschluss und Wechselobjektiv, besonders die Retina IIIC.
    • Neu

      Ich habe ziemlich oft Kröten unter Kameras, da ich besonders häufig Froschlurche in der Natur fotografiere. Letztes Jahr waren dabei u.a. alle in Deutschland vorkommenden Krötenarten (Erdkröte, Wechselkröte, Kreuzkröte). Oder was meint Ihr mit "Kröten unter Kameras"? Heisst das nicht grammatikalisch besser "Kröten vor Kameras"?