Superia 400, lila und grüner Farbstich

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    • Superia 400, lila und grüner Farbstich

      Hallo,

      vor einige Wochen machte ich mit dem Superia 400 im BMW Welt Gelände in München einige Aufnahmen und hatte da seltsame Ergebnisse. Bei der ersten Aufnahme einen lila Farbstich, bei der nächsten Aufnahme wenige Minuten später vom gleichen Motiv einen grünen Farbstich.
      IMG_20180310_0024-6.JPGIMG_20180310_0025-1-2.jpg


      Noch schlimmer war der lila Farbstich beim BMW Museum, den ich nur mit dem Weißabgleich von Lightroom entfernen konnte.

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      Dazu eine Aufnahme mit der Nikon D 5200, die ich letztes Jahr mit einem ND 400 Filter gemacht hatte.


      ++DSC_4724_DxO.jpg



      Alle Aufnahmen mit Olympus OM 2 N mit Zuiko 50mm f 1,8. Entwickelt bei dm. Alle anderen Aufnahmen auf dem Film waren in Ordnung.
      Das Wetter war trübe, es begann später zu schneien.

      Habt ihr eine Idee, wovon dieser Farbstich kommen könnte?

      Grüße
      Josef
    • Um das Ganze aufzuklären wären folgende Dinge noch wichtig zu wissen:

      .) Sind das Scans vom DM oder hast du die Negative selbst eingescannt? Wenn ja mit welchem Scanner und mit welchem Scanprogramm und wie bist du vorgegangen?

      .) Wurden die Bilder mit dem grünen und dem magentafarbenen Stich identisch belichtet? Wenn du es nicht mehr genau weißt, weisen die beiden betreffenden Negative eine ähnliche Dichte auf?


      Wie auch schon Christian geschrieben hat, ist auch aus meiner Sicht das Wahrscheinlichste, dass es sich um einen "Fehler" bei der Invertierung handelt. "Fehler" deswegen unter Anführungszeichen, weil es im eigentlichen Sinne kein Fehler ist, sondern die Invertierungsautomatik (sollte es tatsächlich automatisch erfolgt sein) unterschiedliche Daten unterschiedlich interpretiert und es einfach nicht besser kann.

      Wären die beiden Bilder exakt identisch (exakt gleicher Ausschnitt, keine beweglichen Objekte, gleiche Lichtverhältnisse und gleiche Belichtung) würden beide Bilder auch gleich aussehen und hätten dann zumindest einen gleichen Farbstich, da die Automatik beides mal so gut wie idente Daten bekommt . Deine Bilder hingegen sind zwar für einen Menschen betrachtet ähnlich, für ein Programm können sie aber komplett unterschiedlich sein. Beim zweiten Bild hast du beispielsweise etwas Himmel im Bild und beim ersten Bild laufen dir Personen mit dunklen Jacken durchs Foto. Das heißt der hellste und der dunkelste Punkt liegt jeweils am Histogramm vermutlich ganz wo anders. Die Automatik begrenzt nun meistens dort das Histogramm wo die ersten (soll heißen dunkelsten) bzw. letzten (soll heißen hellsten) Informationen für die jeweils drei Farbkanäle auftauchen. Diese Funktionsweise klappt bei einigen Bildern zumindest halbwegs gut, bei anderen stimmt es leider überhaupt nicht und du bekommst Farbstiche und leider auch keine einheitlichen. Einen ähnlichen Effekt kann man auch bei Digitalkameras beobachten, wenn man mit automatischen Weißabgleich arbeitet. Man fotografiert bei gleichem Licht unterschiedlich farbliche Motive. Die Kamera wird den Weißabgleich darauf immer etwas anders setzen, obwohl sich das Licht nicht geändert hat. Wenn man in Raw fotografiert hat, geht es natürlich einfach diesen Unterschied zu beseitigen. Man stellt einfach nachträglich die gleiche Farbtemperatur für alle Bilder ein. Hat man nur Jpegs zur Verfügung, dann ist das Ganze schon wieder ziemlich mühsam.

      Genau mit dem was du hier beschreibst, plage ich mich schon seit Jahren herum und bin auch noch nicht ganz auf einen grünen Zweig gekommen. Eine Möglichkeit ist, dass man die Begrenzungen beim Histogramm manuell einstellt und diese Einstellung auf jedes Bild überträgt. Die Bilder unterscheiden sich dann farblich nicht, jedoch kann es passieren, wenn dünklere oder hellere Motive hinzukommen diese dann ausreißen bzw. absaufen.
    • Hallo Thomas,

      vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich staune, wodurch die korrekte Farbwiedergabe beeinflusst werden kann.

      Die Negativstreifen wurden von mir mit einem Canoscan 9000 Mk II gescannt. Den hatte ich mir zum Scannen meiner Dias gekauft, ein bestimmtes Programm wie z.B. Vuescan habe ich nicht. Ich gebe die Scans als Tiff aus und bearbeite die Bilder in LR.

      Leiderhabe ich mir die Belichtungszeiten nicht aufgeschrieben. Nachdem auf dem grünen Bild ein Stück Himmel zu sehen ist, dürfte die Belichtungszeit kürzer gewesen sein als auf dem magentafarbenen.

      Den Grünstich könnte man noch damit erklären, dass sich das Grün des Rasens in den Stahlplatten spiegelt, nur das Lila hat mich gewundert.

      Ist ein Film mit 100 ISO für solche Farbstiche weniger anfällig wie z.B. ein 400 ISO Film oder spielt das keine Rolle bzw. neigen bestimmte Filme mehr zu solchen Invertierungen wie andere?

      Grüße
      Josef
    • Ich hoffe, ich kann ein wenig helfen, aber bitte mit etwas Vorsicht meine Ausführungen genießen, weil ich leider auch noch nicht ganz durchblicke und wie gesagt auch noch zu keiner wirklichen Lösung gekommen bin. Allerdings wollte ich einen Leidensgenossen nicht alleine lassen. :D

      Josef Rotter schrieb:

      Ist ein Film mit 100 ISO für solche Farbstiche weniger anfällig wie z.B. ein 400 ISO Film oder spielt das keine Rolle bzw. neigen bestimmte Filme mehr zu solchen Invertierungen wie andere?

      Grüße
      Josef

      Nein, diese Schwierigkeiten hast du bei jedem Farbnegativfilm, den du digitalisierst. Wichtig zu verstehen ist, dass das Problem auch nicht beim Film selbst besteht! Die Farben am Negativ selbst sind bei deinen beiden Bildern auch tatsächlich gleich. Das Problem entsteht erst wenn die Scansoftware aus den gescannten Daten daraus ein Positivbild macht. Das Ganze ist also rein softwarebedingt! Die Scansoftware muss ja das negative Bild in ein Positiv umwandeln, sprich invertieren und außerdem die Orangemaskierung des Films herausrechnen. Damit du dann nicht ein komplett flaues Bild hast, wird das Histogramm begrenzt und genau an diesem Punkt entsteht meiner Ansicht nach das Problem.

      Das Scannen von Farbnegativfilmen ist leider wirklich eine eigene kleine Wissenschaft, da sind wir auch nicht die Einzigen, die sich daran die Zähne ausbeißen. Das sieht man auch an vielen farbstichigen Bildern im Internet. Die oft zu hörende Behauptung, dass das so unbearbeitet aus dem Scanner gekommen sei und daher der unverfälschte Filmlook sei, ist einfach falsch.


      Josef Rotter schrieb:


      Leiderhabe ich mir die Belichtungszeiten nicht aufgeschrieben. Nachdem auf dem grünen Bild ein Stück Himmel zu sehen ist, dürfte die Belichtungszeit kürzer gewesen sein als auf dem magentafarbenen.

      Tatsächlich kann eine große Über oder Unterbelichtung eines Films die Farbgebung schon beeinflussen. Wenn die Belichtungszeiten aber jetzt nicht komplett unterschiedlich waren und du zwei komplett unterschiedlich aussehende Negative hast (beispielsweise das eine sieht normal aus und das andere ist viel zu blass oder das eine ist normal und das andere viel zu dicht) sollte dies nicht das Problem gewesen sein.


      Josef Rotter schrieb:




      Die Negativstreifen wurden von mir mit einem Canoscan 9000 Mk II gescannt. Den hatte ich mir zum Scannen meiner Dias gekauft, ein bestimmtes Programm wie z.B. Vuescan habe ich nicht. Ich gebe die Scans als Tiff aus und bearbeite die Bilder in LR.

      Das heißt du scannst mit dem canoneigenen Programm, welches beim Scanner dabei war? Leider habe ich selbst keinen Canon-Scanner und daher auch nicht das dazugehörige Scanprogramm. In wie weit kannst du denn beim Scannen von Farbnegativen manuell eingreifen? Welche Einstellungen kannst du dort so vornehmen? Vielleicht kannst du auch ein Bild von der Benutzeroberfläche posten.
    • Thomas hat es schon super erklärt. Dazu kommt, das die Motive nur wenige kleine Flächen Farbe beinhalten und viel mittleres grau, weshalb bei der Schwarz- und Weisspunkt Justierung die Scanner Software dort Problemen gehabt haben wird bei der Invertierung. Scan mal beide Aufnahmen in einem einzigen Scan als positiv und invertierte in Photoshop, dann sollten Sie identisch aussehen.

      Gruss
      Christian
    • @ Thomas

      bei dem Canoscan gibt es diverse Möglichkeiten, nach der Vorschau das Bild zu korrigieren, z.B. bei Helligkeit/ Kontrast über die Kanäle Rot Grün, Blau.

      Mit etwas Fummeln bei dem Rotschieber brachte ich es soweit, dass nach dem Scannen in LR nur noch leichte Korrekturen nötig waren, auch keine Korrektur beim Weißabgleich. Und jetzt sehen die beiden Bilder fast identisch aus.

      +IMG_20180310_0024-1-2.jpg+IMG_20180314_0002-2.jpg

      Canoscan.JPG


      @Christian

      Du meinst, dass ich die Negative positiv scannen soll, d.h. wie ein Dia? Photoshop habe ich nicht und es sieht so aus, als könne man das entstandene Bild in Lightroom nicht invertieren.

      Grüße
      Josef
    • Josef Rotter schrieb:



      Du meinst, dass ich die Negative positiv scannen soll, d.h. wie ein Dia? Photoshop habe ich nicht und es sieht so aus, als könne man das entstandene Bild in Lightroom nicht invertieren.

      Grüße
      Josef
      Doch das geht ganz einfach. In der Gradationskurve den Anfasser ganz links unten bis ganz nach oben ziehen und umgekehrt auf der rechten Seite. Damit das funktioniert, musst du aber zuerst auf das kleine Icon rechts unter der Gradationskurve klicken.

      Kannst du dir hier mal anschauen:

      foto.nsonic.de/umgedreht-negative-in-lightroom-entwickeln/
    • Klar, einfach den entsprechenden Farbkanal wählen und die Gradationskurve verbiegen.

      Wenn man die Gradationskurve in Lightroom invertiert, stößt man aber auf ein Problem. Fast alle Regler sind dann invertiert. Erhöhe ich also den Regler für den Weißwert, sinkt dieser. Erhöhe ich die Belichtung, vermindert sich diese usw. Gewöhnungsbedürftig, aber es geht nach etwas Übung ganz gut.
    • Hallo

      Im Moment habe ich ein ganz kleines Problem: mein Desktopcomputer, auf dem die Fotos gespeichert sind und an den der Scanner angeschlossen ist, hat leider seinen Geist aufgegeben. Die Hotline von Dell, die mir hoffentlich helfen kann, ist erst wieder am Montag erreichbar.

      Nun könnte ich den Scanner am Laptop installieren und die Bilder neu scannen, aber ich warte erst einmal, ob Dell den PC wieder hinkriegt.
      Schön wäre es, wenn man seine Daten regelmäßig sichern würde :( .

      @'Timo
      die Gradationskurve verschieben ist ja wirklich ein Geduldsspiel, irgendwann klappt es, aber eher zufällig. Vielen Dank für den Tipp.

      @Andreas
      Vielen Dank für den Link, interessante, lebhafte Diskussion mit vielen nützlichen Infos.

      "Ich verstecke nichts, kommt alles auf meine Website?"
      Ist die schon fertig bzw. wo findet man die?

      Grüße
      Josef
    • Oje, das hört sich natürlich nicht so erfreulich an. Da wünsche ich dir viel Glück, dass es sich leicht wieder reparieren lässt.

      Mit der rein manuellen Umwandlung von Farbnegativfilmen in Photoshop oder Lightroom habe ich noch kaum Erfahrungen. Jedoch kann ich dir noch das Photoshop-PlugIn Color Perfect empfehlen. Für die Verwendung werden die Negative ebenfalls raw gescannt und anschließend in Color Perfect in Positive umgewandelt. Das Problem mit der Farbkonstanz ist aber auch dort gegeben. Allerdings gibt es hierfür auch Tricks, die man anwenden kann, damit man dies verhindert. Und genau damit möchte ich mich demnächst etwas einarbeiten, um vielleicht so endlich eine Lösung für mich zu finden. Übrigens kann Color Perfect auch als RAW-Converter für Digitalkameras verwendet werden.

      Allgemein sei noch gesagt, dass Farbnegativfilme als Zwischenmedium immer mehr oder weniger interpretiert werden müssen. Das Zitat "Alles ist relativ" passt außerdem auch noch ganz gut auf Farbnegative. Gedankenexperiment: Man hat einen hochgesättigten Film und einen weniger gesättigten Film. Vergrößert man nun den hochgesättigten Film auf weniger gesättigtes Farbpapier und den weniger gesättigten Film auf hochgesättigtes Farbpapier sind vielleicht am Ende beide Bilder von der Farbsättigung her ident, obwohl das Ausgangsmaterial ja komplett unterschiedlich war.
    • Thomas Huber schrieb:

      Oje, das hört sich natürlich nicht so erfreulich an. Da wünsche ich dir viel Glück, dass es sich leicht wieder reparieren lässt.
      Ein Anruf bei Dell erbrachte, dass eine der beiden Festplatten hinüber ist. Der DELL Mitarbeiter meinte, dass man evtl. eine SSD einbauen könne, aber bei einem 8 Jahre alten PC mit entsprend alter GraKa rentiert sich das nicht mehr.
      Ich bin schon auf der Suche nach einem neuen PC, eine tolle Beschäftigung!